Drei Grundlagen gibt es beim Gleitmittel: Wasser, Silikon und Öl. Wasserbasis passt zu jedem Toy und jedem Kondom, schreibt Planned Parenthood. Silikon hält länger und verträgt sich mit Kondomen, mit Toys aus Silikon nur bedingt. Öl und Latexkondome passen nicht zusammen. Geschmack und Duft kommen erst danach. Die ganze Auswahl steht unter Gleitmittel.
Wasserbasis
Es ist preisgünstig und lässt sich einfach abspülen, so fasste es die Stiftung Warentest 2007 zusammen. Dafür trocknet es schneller, und manche Sorten kleben dann. Dann legst du nach. Weisst du nicht, woraus dein Toy besteht, liegst du mit Wasserbasis richtig.
Im Laden hat sie eine eigene Kategorie, Auf Wasserbasis. Auch die meisten Gele mit Geschmack sind laut Lieferantentext auf Wasserbasis, aber nicht alle. Welche Basis ein Artikel hat, steht in seiner Beschreibung.
Steht in der Zeile «Material und Sicherheit» das Wort «kondomverträglich», stammt es aus dem Text des Lieferanten. Bei Ölen setzt die Zeile es nie, selbst wenn der Lieferantentext es behauptet.
Silikonbasis und Toys aus Silikon
Diese Mittel bleiben besonders lange gleitfähig und lassen sich schwerer abwaschen, von der Haut wie aus der Wäsche. Flecken von Silikon sind etwas mühsamer zu entfernen, hielt die Stiftung Warentest fest. Weil sie wasserabweisend sind, halten sie auch unter der Dusche. Mit Kondomen sind sie geeignet, schreibt die Aids-Hilfe Schweiz. pjur gibt für alle eigenen Gleitmittel an, dass sie mit Latexkondomen verträglich sind.
Bei Toys aus Silikon sind sich Hersteller und Beratungsstellen nicht ganz einig. Fun Factory schreibt, die eigenen Toys nie mit Silikon-Gleitgel zu benutzen, weil es sich schwer rückstandslos entfernen lässt. Planned Parenthood rät ebenfalls ab, ausser mit einem Kondom über dem Toy, weil das Gleitmittel mit dem Silikon des Toys reagieren und es beschädigen kann. pjur, selbst Hersteller von Silikon-Gleitmitteln, empfiehlt vor dem ersten Gebrauch einen Test an einer kleinen, unauffälligen Stelle des Toys. Es gilt also, was der Hersteller deines Toys schreibt. Steht dort nichts, nimm Wasserbasis. Die Mittel auf Silikon findest du unter Auf Silikonbasis.
Öl und Kondom
Fettige oder ölige Mittel greifen Latex an. Die Aids-Hilfe Schweiz warnt, dass Kondome dadurch durchlässig werden und leichter reissen, selbst wenn man keinen Schaden sieht. Auch Handcreme, Vaseline und Speiseöl zählt sie zu den ungeeigneten Mitteln. Kondome aus Polyurethan vertragen Öl, sind aber teurer und nicht überall zu haben. Öl kann ausserdem Bettzeug und Wäsche beflecken. Ob ein Massageöl als Gleitgel taugt, beantwortet die Seite Massage.
Bei Toys aus weichem PVC spricht noch etwas gegen Öl. In einer Messung der dänischen Umweltbehörde von 2006 löste ölhaltiges Gleitmittel rund hundertmal mehr vom Weichmacher DEHP aus dem Material als eines auf Wasserbasis. Was seither verboten ist, erklärt der Ratgeber Sextoy-Materialien.
Braucht es überhaupt Gleitmittel?
Bei Toys und beim Analverkehr ja. LOVE LIFE, die Safer-Sex-Kampagne des Bundesamts für Gesundheit, empfiehlt es beim Sexspielzeug, weil es das Risiko von Hautverletzungen senkt. Der Anus befeuchtet sich nicht selbst, darum braucht es dort reichlich davon. Auch mit Kondom soll es genug sein, damit es gut gleitet und nicht reisst. Gele für den Po stehen unter Gleitgel für Analsex. Welche Basis passt, hängt wieder vom Toy und vom Kondom ab. Zu Gleitmitteln, die als «entspannend» verkauft werden, sagen wir nichts zur Wirkung.
Was die WHO beim Einkauf verlangt
WHO und UNFPA haben festgelegt, welche Gleitmittel sie für Gesundheitsprogramme einkaufen. Ausgeschlossen sind zugesetzte Duft- und Farbstoffe, Spermizide, Kräuterzusätze und Stoffe, die eine besondere Lustwirkung versprechen. Für Mittel auf Wasserbasis gilt ausserdem eine Osmolalität unter 1200 mOsm/kg, ein Mass dafür, wie viel im Gel gelöst ist. Die Vorgaben gelten für Gele, die vaginal und anal verwendet werden. In einer Laborstudie von 2014 lagen 7 von 12 Vaginalgelen aus dem Handel darüber (Cunha u. a., 2014). Solche Werte nennt keiner unserer Artikel, als Siegel findest du die Vorgaben also nicht. Halten Brennen oder Reizungen an, frag deine Ärztin oder deinen Arzt.
Kein Verhütungsmittel
Vor einer Schwangerschaft schützt Gleitgel nicht. Manche Mittel können zudem die Beweglichkeit von Spermien einschränken, schrieb die Stiftung Warentest 2007. Bei Kinderwunsch sprichst du die Wahl am besten mit deiner Ärztin oder deinem Arzt ab.
Zum Ausprobieren
Welche Konsistenz dir liegt, merkst du erst beim Benutzen. Einige Gleitmittel gibt es als Einzelportionen. So probierst du eine Sorte, bevor eine ganze Flasche im Schrank steht. Weisst du, was dir liegt, darf es die grössere Flasche sein.